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Als um Christi Geburt die Römer zum Niederrhein vordrangen und sich das Volk der Menapier unterwarfen, muss Vynen schon ein fruchtbares Ackerdorf gewesen sein. Als solches wurde es 400 Jahre lang, mitten in einer dichtbesiedelten Ecke der Provinz Germania inferior liegend, von ihnen ausgenutzt. Denn niemand wird behaupten wollen, dass ein so fruchtbares Gebiet für sie ohne Interesse gewesen wäre. Die gewaltigen Militärlager Vetera I und II sowie vor allem die C. Trajana oder Tricensima, die zeitweise an die 20 000 Einwohner zählte, brauchten jeden Tag zu essen, von Burginatium (Hof Born hinter Kehrum) und dem Brückenkopf Munimentum (Reeser Schanze) ganz abgesehen.
Es ist darum kein Wunder, dass die ältesten Wege Vynens gen Xanten zusammenlaufen. Sie wurden angelegt, um die Erträge der Vynener Gutshöfe nach Trajana bringen zu können. Vom Nordtor der Römerstadt ausgehend ging dieser Versorgungsweg über Assmannshof und Wardter Mühle am damaligen Rheinarm entlang bis Dahmenhof, wo er sich heute noch in drei Arme gabelt, die geradeaus über die Vynener Felder und Fluren bis gen Kiers, Haus Bötzelaer und Appeldorn gehen. Ein vierter Arm scheint noch am inneren Ufer des linken Rheinarmes (heutiger Heckgraben und Marienbaumer Ley) entlanggelaufen zu sein. Er ist nur teilweise (z.b. am Vyningshof) erhalten.
Im Xantener Raum wohnte zur Römerzeit das Volk der Kugerner und Baetasier. Wo in Vynen ihre Höfe lagen, ist noch nicht erforscht. Nach der Dichte der römerzeitlichen Funde zu urteilen, scheinen neben Altvynen auch Wyckshof und Vyningshof damals schon besiedelt gewesen zu sein. Die Kotten der Kugerner waren schlichte Fachwerkhütten. Hinter einer offenen Vorlaube, in der das Kochfeuer brannte, lagen meist zwei Räume. Ihre Wände waren aus einem dicken Lehmstakwerk und wurden sauber geglättet. Im hinteren Raum war die Herdstelle. Neben dem Wohnhaus standen Speicher und Scheune. Die Kugerner hatten auch schon Mühlen mit Steinen aus Basaltlava. Außer unseren heutigen Getreidesorten bauten sie Emmer, Dinkel und Hirse an. Wie die Römer die damaligen Bauern von Vynen behandelten, illustriert anschaulich der Grablöwe, welcher vor 200 Jahren vom Vynener Pfarrer Tack gefunden wurde und im Kreuzgang des Xantener Domes eingemauert ist. Dieser Löwe liegt nämlich auf einem geschlagenen Tier, seiner Beute. Der Löwe waren die Römer, das Tier waren wir selbst.
Wir können verstehen, dass unsere Vorfahren unter solchem Joch sehr litten und es jubelnd begrüßten, als die rechtsrheinischen Franken nach 400 begannen, die Römer vom Niederrhein zu vertreiben. Im Xantener Raum ließen sich nach Zerstörung der Römerfeste Colonia Trajana die Hetwaren oder Hattuarier nieder und bildeten ein Königreich, an das noch heute die Gestalten des "Siegfried von Xanten" und des "Hagen von Tronje" (= Troja/Trajana) im Nibelungenlied erinnern. Es wurde jedoch bald wie alle Stammesreiche von Chlodwig hinweggefegt, der ein großes, einiges Frankenreich schuf. Was wissen wir aus jenen schrift- und quellenlosen Jahrhunderten über Vynen?
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