Die Geschichte des Namens "Vynen"

Jemand der in der kleverischen Geschichte bewandet ist, verbindet mit Vynen unweigerlich das rechtsrheinische Bienen,' welches auch Bynen geschrieben wurde.

Durch die germanische Lautverschiebung “b” -> “v” (auch umgekehrt)

fällt die Vermutung nicht schwer, dass es sich um zwei korrespondierende Ortsnamen handelt, wie es am Niederrhein öfters vorkommt. (z.B. Mehr b. Wesel; Mehr bei Kleve)

Doch damit wäre die Bedeutung des Namens noch lange nicht geklärt. Zum erstenmal erwähnt wird der Begriff “vinen” im Xantener Totenbuch aus dem 11. Jhd.  Die Schreibweise hat nichts zu bedeuten, da ein “y” zu dieser Zeit ohne weiteres als “i” geschrieben wurde. Dasselbe gilt für “f” und “v”.

Aus diesem Wort “vinen” lassen sich die Begriffe “vine” (1167), sowie “Finen” (Neuzeit) ableiten.

Dr. Heinrich Engelskirchen (ein bekannter Flurnamensforscher aus Xanten) bringt Vynen in Zusammenhang mit dem fränkischen “fenni = sumpfiges Land”. Dies könnte tatsächlich der Ursprung sein, da das Urdorf an einem ehemaligen Wasserarm und späteren Sumpfloch gelegen hat.

Eine weitere Möglichkeit bietet uns der Gelehrte M. Gyssling, welcher Vynen auf das altgermanische Wort “fino” (Haufen) zurückführt.
Denkt man an die Mehrzahl “finum = Bei den Haufen”, würde es etwas ganz anderes, nämlich etwa bei den Holz- oder Misthaufen bedeuten, was durchaus möglich wäre, da Vynen seit jeher ein Bauerndorf war.

Professor Adolf Bach bietet gleich 2 Deutungen an:

  • das mittellateinische “vinna = Fischwehr”
  • das indogermanische “pinno = Spitze”

    (lat. pinna, im Dialekt “pinn”, (p=v)

Dies wäre auch möglich, da Vynen wie eine Spitze in die Gabelung des alten von Colonia Trajana (Xanten), kommenden Rheins bei Dahmenhof hineinragte.

Da wir gerade beim lateinischen sind, sollte auch die Deutung genannt werden, welche auch bei “in vine” (1167) an eine Abgrenzung vom lat. finis = Ende, Grenze denkt. Tatsächlich heißt die Xantens am nächsten gelegene Ecke Vynens (am Dahmenhof) “an gen Eindt”, “Endschen Hof”, “Honsend”. Zusätzlich war diese Ecke auch Ende der Grenze der Klever Urgrafschaft.

Als letztes wäre noch die Deutung Henning Kaufmanns, der somit unserem Dorf auch gleich noch seinen ersten Schutzherr mitliefern würde.
Kaufmann geht davon aus, das sich viele Ortsnamen aus dem 2. Fall des Genitives von Eigennamen bilden, wobei es nicht selten vorkommt, dass ein “i” als lateinische Genitivendung und außerdem ein “n” als germanische Endung für den 2. Fall angefügt wurde. 
Finn ist tatsächlich als germanischer Name belegt. Im Beowulflied, welches germanische Stammeskämpfe zur Zeit der Völkerwanderung schildert, wird neben Hun, dem König der Hetwaren (fr. Stamm im Xantener Raum) auch ein germanischer Held namens Finn genannt. 

In diesem Zusammenhang gewinnt die oben bereits genannte mehrmalige Schreibweise Vynin bzw. vinin besondere Bedeutung.

Aus der Endung “ - in” hat sich dann das germanische “en” entwickeln können. 
Aus Vynin wurde somit Vynen. 
Wenn Kaufmann mit seiner Deutung recht hat, dann bedeutet Vynen/Finin " die Leute des Finn (=Vyn) “.
Somit wäre ein fränkischer Befreier der Schutzherr von Vynen oder sogar dessen Neubegründer gewesen. 
Auch der Name “Vyning”, den ein uralter vielleicht schon aus der römischen Zeit stammender Hof (gegenüber Haus Balken) trägt, ist dann vielleicht zu erklären. Die Vyninger wären als Nachkommen des großen Finn das fränkische Rittergeschlecht Vynens.

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